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Männerrechtler und Homosexualität

Radfahrer @, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 12:51 (vor 2013 Tagen)

Die erste "maskulistische Blogparade", die von Christian (allesevolution) angestoßen und auch von Arne propagiert wurde, hatte als Thema ausgerechnet Homosexualität. Das ist insofern logisch, als Adrian (Gay West) einige wesentliche Ideen zu der Aktion geliefert hatte. Trotzdem befremdet es mich, da aus meiner Sicht Geschlecht und sexuelle Orientierung zwei voneinander unabhängige Dimensionen menschlicher Lebensäußerung sind und Maskulismus (so wie ich ihn verstehe, so wenig konsensfähig das sein mag, blabla) sich auf die Dimension Geschlecht bezieht und nicht auf die sexuelle Orientierung.

Ich habe dazu einen Kommentar bei allesevolution hinterlassen. Und da er in dem Thread der ca. 120. Kommentar ist, erlaube ich mir, meine nunmehr bereits erbrachte Tippenergie zu nutzen, indem ich meinen Kommentar hier copy-paste. Ich freue mich auf eine Diskussion.

Und hier mein eigenes Zitat:

Kurz ein paar Definitionen, weil ich unten Begriffe ggf. stark vereinfacht verwende:
1. Ein Mann ist für mich ein Mensch, der einen Penis hat.
2. Homosexuell ist ein Mensch (unabhängig vom Geschlecht), der sich sexuell ausschließlich oder sehr überwiegend von Personen des gleichen Geschlechts angezogen fühlt.
3. Ein Schwuler ist ein Mann, der homosexuell ist.
Im Sinne dieser Definition bin ich Mann, aber nicht schwul.

Als Männerrechtler setze ich mich dann für Schwule ein, wenn sie als Männer (also aufgrund des Geschlechts, nicht der sexuellen Orientierung) in ihrer Gleichberechtigung beeinträchtigt sind. Im Bezug auf Homosexualität betrifft dies diejenigen Fälle, wo Schwule gegenüber Lesben benachteiligt sind, etwa bei der Umsetzung des §175 StGB (den es zum Glück seit wenigen Jahren nicht mehr gibt).

Den ganzen anderen Dings von Männerbenachteiligungen erleiden Schwule genau wie nichtschwule Männer auch, von der Bildungsbenachteiligung über Wehr-"Gerechtigkeit" und Frauenquoten bis zur Väterausgrenzung und "Unisex"-Rente. Ich glaube, Schwule sind wegen ihres Geschlechts mehr benachteiligt als wegen ihrer sexuellen Orientierung, bin mir aber nicht sicher, ob ich das beurteilen kann.

Der Grund, warum es trotzdem so wenig schwule Männerrechtler gibt, liegt auf der Hand: Als Homosexuelle gehören sie einer Gruppe von Menschen an, die als Opfergruppe bereits einiges an Aufmerksamkeit bekommt. Als anerkannte Opfergruppe bekommt man nun Konkurrenz von einer ungleich größeren Minderheit: Männer (unabhängig von der sexuellen Orientierung).

Die Aufmerksamkeit, die ich als Homosexueller bekommen würde (wäre ich denn einer), ist größer, da un-geteilter, als ich die, die als Mann bekomme. Befremdlich ist, dass die Schwulen sich (meinem Empfinden nach, vielleicht irre ich auch) viel stärker gegen (heterosexuelle oder allgemein) Männer abgrenzen als gegen Frauen oder Lesben. Da scheint es einen Deal zu geben: Lesben sind zwar als Frauen gegenüber Schwulen privilegiert, aber man tut sich lieber nicht weh, denn Lesben sind ja nicht so viele wie Männer, da bleibt ja noch etwas Aufmerksamkeit für die Schwulen übrig.

Grüßle, Radfahrer

und dazu passend … Erzählmirnix

Radfahrer @, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 13:43 (vor 2013 Tagen) @ Radfahrer

"Schon gehört? Die Maskulisten wollen sich jetzt auch um Schwule kümmern, weil sie sagen, dass Schwule genauso Männer sind wie alle anderen Männer."
"Na, mit so schwulenfeindlichen Aussagen werden sie aber nicht weit kommen."

Ehre, wem die Ehre gebührt.

Männerrechtler und Homosexualität

NorbertU ⌂ @, Nordhessen, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 16:18 (vor 2013 Tagen) @ Radfahrer

Unsere Kinder lernen in der Schule, was eine Schnittmenge ist. Das fällt mir dazu ein, wenn nun die Diskussion Männerrechtler und Schwule losgetreten wird:

Es gibt Männer, es gibt Männerrechtler, es gibt Feministen, es gibt Heteros, es gibt Schwule. Und es gibt unter den Männern sowohl Heteros wie auch Schwule. Manche Männer sind Männerrechtler andere wieder nicht. Manche Schwulen sind Männerrechtler, andere wieder nicht.
Aus all diesen Gruppen lassen sich beliebig Schnittmengen bilden.

Es gibt entsprechend auch Schnittmengen aus Frauen, Feministinnen, Lesben. Und es gibt die Schnittmenge aus Lesben und Schwulen, die alle homosexuell sind.

Wichtig ist dabei, dass man zwischen den Geschlechtern und der sexuellen Orientierung unterscheidet. Dass bei bestimmten Schnittmengen auch übereinstimmende Interessen auftauchen, ist selbstverständlich.

Allein schon bei der Aufzählung der verschiedenen Schnittmengen fällt mir auf, dass hier eine Diskussion geführt wird, die sich lediglich mit einer ziemlich kleinen Schnittmenge beschäftigt, die der sowohl männerrechtlernden als auch schwulen Männer.
Da kommt bei mir die Frage auf: Versuchen die schwulen Männerrechtler nun die Diskurshoheit bei den Männerrechtlern zu übernehmen?

Meine Meinung dazu:
Alle schwulen Männerrechtler haben das Recht, sich sowohl für die Interessen der Männerrechtler als auch die Rechte der Schwulen einzusetzen. Aber sie sollten unterscheiden, welche Themen zu ihren schwulen und welche zu ihren männerrechtlichen Interessen gehören.

Norbert

--
www.Stiefkindadoption.de
WWW.Opektafarmer.de

Männerrechtler und Homosexualität

Radfahrer @, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 17:23 (vor 2013 Tagen) @ NorbertU

Und es gibt die Schnittmenge aus Lesben und Schwulen, die alle homosexuell sind.

[Korinthenkack]
Diese Schnittmenge dürfte allerdings (traditionelles Verständnis des Begriffs Geschlecht vorausgesetzt) sehr klein sein
[/Korinthenkack]

Wichtig ist dabei, dass man zwischen den Geschlechtern und der sexuellen Orientierung unterscheidet. Dass bei bestimmten Schnittmengen auch übereinstimmende Interessen auftauchen, ist selbstverständlich.

Dir und mir ist das selbstverständlich. Ob es die Blog-Paradisten verstanden haben?

Da kommt bei mir die Frage auf: Versuchen die schwulen Männerrechtler nun die Diskurshoheit bei den Männerrechtlern zu übernehmen?

Das unterstelle ich nicht einmal. Die meisten Blog-Paradisten machen mir einen Hetero-Eindruck. Ausnahme ist Gay West, und der bemüht sich meines Wissens nicht um eine Diskurshoheit bei den Männerrechtlern.

Mein Eindruck ist eher, dass die maskulistische Bloggerszene gerade eine Menge Energie damit verheizt, schönes Wetter bei den Schwulen zu machen, und zwar ganz, ohne von den Schwulen dazu aufgefordert worden zu sein. Das Motiv wäre interessant. Angst, als homophob, konservativ oder rechts angeschaut zu werden? Oder vielleicht auch nur der Wunsch, mal als eine gemeinsame Bewegung wahrgenommen zu werden? Alles hehre Motive, die ich teile. Die Aktion indes mutet weiterhin befremdlich an, auch abgesichts der gesellschaftlichen Stellung der Schwulen, wie von Eugen beschrieben.

Alle schwulen Männerrechtler haben das Recht, sich sowohl für die Interessen der Männerrechtler als auch die Rechte der Schwulen einzusetzen. Aber sie sollten unterscheiden, welche Themen zu ihren schwulen und welche zu ihren männerrechtlichen Interessen gehören.

Dem kann ich nur beipflichten.

Grüßle, Radfahrer

Männerrechtler und Homosexualität

ThomasL, Samstag, 21. Dezember 2013, 11:16 (vor 2011 Tagen) @ NorbertU

Da kommt bei mir die Frage auf: Versuchen die schwulen Männerrechtler nun die Diskurshoheit bei den Männerrechtlern zu übernehmen?

Ich denke, der Trend ist eher, daß die Heteros hier auf die Schwulen zugehen. Das finde ich auch gut so, man sollte nicht immer warten, daß die anderen endlich mal den ersten Schritt machen. ;-)

Und ein Stück weit muß das auch auf diese Weise erfolgen, da es in der gesellschaftlichen Gruppe der Heterosexuellen eine kleine, aber enorm lautstarke Minderheit von homophoben Leuten gibt, die dummdreist auf alles einschlagen, was ihnen nicht paßt.

Die große Mehrheit der Männerrechtler trägt dafür selbstverständlich keine Verantwortung! Trotzdem finde ich es gut, wenn sie ein Zeichen setzen und diesem dumpfen Groll mit Offenheit, Vernunft und Menschlichkeit gegenübertreten. Genauso, wie sie es im Kontakt mit dem männerfeindlichen Feminismus eben auch tun.

Viele Grüße
Thomas

Sind Schwule normal?

Eugen, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 16:54 (vor 2013 Tagen) @ Radfahrer
bearbeitet von Eugen, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 17:43

Ha! Habe ich euch erwischt, meine Lieben, die ihr um dieses Forum einen großen Bogen macht, solange es nur um so langweiligen Kram wie die Bildungsbenachteiligung von Jungs oder mangelhafte Gesundheitspolitik für Männer geht, und die ihr lieber in „der Müllhalde der Männerrechtsbewegung“ (vulgo: Gelbes Forum) stöbert, als auch mal einen Blick auf die Homepage des einzigen, ausdrücklichen und ausschließlichen Männerrechtsvereins MANNdat zu werfen. Aber „Sind Schwule normal?“ - da will man natürlich wissen, ob es da „endlich mal Einer sagt“ oder was da von einem „Idioten von Maskulisten“ wieder mal abgesondert wird.

Genug des Vorspiels. Zur Sache!

Faszinierend wie das Paarungsritual bei den Igeln - sehr langsam und vorsichtig - erscheint mir die Annäherung zwischen Schwulen und Heteros. Das wundert mich nicht. Schwule sind ein Minderheit, Männerrechtler eine noch kleinere Minderheit und schwule Männerrechtler gar eine ausgesprochene quantité négligeable.

Ich erinnere mich an Zeiten, da haben einige Männerechtler Schwule umgarnt mit dem Motto: „Auch Schwule sind von den Benachteiligungen der Gesamtheit der Männer betroffen!“ Aber diese Avancen waren von wenig Erfolg gekrönt. Die Mehrheit der Männer weiß nichts von den Hauptthemen der Männerrechtler. Warum sollte es bei Schwulen anders sein, die zudem noch zusätzliche, ganz andere Themen und Probleme haben.

Die jetzige Initiative von Schwulen oder deren Sympathisanten unter dem Motto: „Auch Schwulenrechte sind Männerechtler“ scheint mir ein ebenso zweifelhaftes Unterfangen.

Erstens sind Schwule politisch weitaus besser politisch aufgestellt. So können Männerrechtler nur träumen vom Bürgermeister einer Großstadt oder einem Minister, der sich als Männerrechtler outet. Wie könnten ein paar Hanseln von Männerrechtlern das noch toppen?

Und auch dies äußerst seltsam: Männerrechtler werden da offenbar als so eine Art offizielle Vertretung angesehen, die sich möglichst auch der Probleme von Schwulen anzunehmen habe: „Für Männerrechtler sollte auch hier der Abbau von Diskriminierung ein zentrales Anliegen sein“ schlussfolgert beispielsweise Arne Hoffmann in seinem Blog in einem größeren, recht bemerkenswerten Beitrag. http://genderama.blogspot.de/2013/12/erste-maskulistische-blogparade-warum.html

Und verlinkt zu einem Beitrag, der das Problem eigentlich ganz gut illustriert:
"Auf der “Müllhalde der Männerrechtsbewegung” – dem Forum “Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land” – muss ich lesen... Und warum falle ich darauf hinein, mag man fragen? Warum messe auch ich den Radikalen eine Bedeutung bei, die sie in Wahrheit gar nicht haben?"
http://gaywest.wordpress.com/2013/12/12/mannerrechtler-ich-mag-euch-ja/

Ja, lieber Adrian, da haben wir offenbar ein Problemchen. Messe ich die Schwulen vielleicht an der Lederszene, an Fistern, an Strichern oder an sonstigen Facetten des schwulen Kosmos? Also warum starren offensichtlich aufgeklärte und interessierte Schwule mit morbider Faszination auf die „Müllhalde der Männerrechtsbewegung“, wie kommen sie überhaupt auf die Idee, das könne etwas anderes als ein virtueller Stammtisch sein - statt dass sie sich in Scharen der tatsächlichen Männerrechtsbewegung anschließen?

Oder noch schlimmer - David:
„Ich habe Adrians Blog bisher vernachlässigt, mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen (ganz zu schweigen von den Idioten, die sie aktiv ausgrenzen und die eigene Bewegung damit komplett diskreditieren). Es ist eine Schande, dass Schwule sich vom Feminismus (leider zurecht) besser vertreten fühlen, obwohl sie in vielen Aspekten auch von seinen negativen Auswüchsen betroffen sind. Hier hat die Männerbewegung bisher auf ganzer Linie versagt, und macht Vorbehalte erst recht nachvollziehbar.“
http://allesevolution.wordpress.com/2013/12/13/weiteres-zu-falsch-verstandenen-regeln-d...

Tolle Logik: Schwule fühlen sich vom Feminismus besser vertreten und deswegen hat die Männerbewegung versagt? Wer soll wem politisch in den Sattel helfen? Die Männerrechtler den Schwulen? Absurd! Ich denke dass der zwangsläufige Weg darin bestehen muss, dass auch schwule Männer sich politisieren, nicht im Hinblick auf ihre Sexualität, bewahre, da haben sie ihre Baustellen schon vor Jahrzehnten gehörig bedient, aber im Hinblick auf ihre Benachteiligungen als Angehörige des männlichen Geschlechts. Es dürfte nämlich nur sehr wenige Benachteiligungen von Männern geben, von denen nicht auch schwule Männer betroffen sind.

Also wenn schwule Männer etwas gegen ihre Diskriminierung als Männer tun wollen, dann gilt für sie, wie für jeden anderen, die Einladung bei MANNdat mitzumachen. Was können wir mehr tun?

Gruß, Eugen

Sind Schwule normal?

AndreasKs. @, Donnerstag, 19. Dezember 2013, 22:37 (vor 2013 Tagen) @ Eugen

Ich denke dass der zwangsläufige Weg darin bestehen muss, dass auch schwule Männer sich politisieren, nicht im Hinblick auf ihre Sexualität, bewahre, da haben sie ihre Baustellen schon vor Jahrzehnten gehörig bedient, aber im Hinblick auf ihre Benachteiligungen als Angehörige des männlichen Geschlechts. Es dürfte nämlich nur sehr wenige Benachteiligungen von Männern geben, von denen nicht auch schwule Männer betroffen sind.
Also wenn schwule Männer etwas gegen ihre Diskriminierung als Männer tun wollen, dann gilt für sie, wie für jeden anderen, die Einladung bei MANNdat mitzumachen. Was können wir mehr tun?

Damit ist eigentlich alles Wesentliche gesagt. Ich denke, die aktuelle Diskussion ist der Beginn dieses Prozesses, geschlechtsspezifisches politisches Denken unabhängig von der sexuellen Orientierung zu thematisieren. Es wird aber dauern, bis die neue Sichtweise Raum greift.

A

--
https://twitter.com/AndreasKrausser

Sind Schwule normal?

Friedhardt, Freitag, 20. Dezember 2013, 13:06 (vor 2012 Tagen) @ AndreasKs.

Ich denke, die aktuelle Diskussion ist der Beginn dieses Prozesses ...

OK, was könnte man(n) konkret tun, um diesen Prozess voranzutreiben? Zum Beispiel, in welchen Foren ist welche Art der "Werbung" angebracht?

(Nur in diesem Zusammenhang) homophile Grüße

Friedhardt

Sind Schwule normal?

AndreasKs. @, Freitag, 20. Dezember 2013, 17:05 (vor 2012 Tagen) @ Friedhardt

OK, was könnte man(n) konkret tun, um diesen Prozess voranzutreiben? Zum Beispiel, in welchen Foren ist welche Art der "Werbung" angebracht?

Dialog führen. Welche Foren? Das überblicke ich nicht ansatzweise. Kannst Du vielleicht erforschen ...

--
https://twitter.com/AndreasKrausser

Sind Schwule normal?

Thorsten @, Freitag, 20. Dezember 2013, 14:33 (vor 2012 Tagen) @ Eugen
bearbeitet von Thorsten, Freitag, 20. Dezember 2013, 15:32

Ja, lieber Adrian, da haben wir offenbar ein Problemchen. Messe ich die Schwulen vielleicht an der Lederszene, an Fistern, an Strichern oder an sonstigen Facetten des schwulen Kosmos?

Genau das ist der Punkt. Ich sehe eigentlich auch keinen Grund, sich hier für den gelben Auswurf von ein paar unterbeschäftigten Hanseln, die man bald an einer Hand abzählen kann, zu entschuldigen.

Oder noch schlimmer - David:
„Ich habe Adrians Blog bisher vernachlässigt, mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen

Die Frage ist doch vielmehr, warum Schwule ihre Diskriminierung als Männer nicht zu ihrem Thema machen. Die eine Antwort wurde schon gegeben: Schwule bilden eine kleine Gruppe, die eine relative hohe gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Akzeptanz besitzen. Warum sollten sie die "verdünnen" und sich mit "normalen" Männern (oder gar Männerrechtlern) in Verbindung bringen, die weder das eine noch das andere besitzen? Die andere Antwort ist die, dass Schwule zwar von Misandrie und Frauenbevorzugung betroffen sind, aber der ganze Themenkomplex von Familie, Scheidung, Unterhalt und Sorgerecht für Schwule (i.d.R.) schlicht nicht relevant ist.

Von daher denke ich, es ist gut klarzustellen, dass Schwule genauso willkommen sind wie jeder andere Mann auch, aber dass das verbindende Element das Mann-sein und nicht das schwul-sein ist, und dass man sich dementsprechend gegen Diskriminierung von Männer und nicht speziell gegen Diskriminierung von Schwulen einsetzt. Denn ansonsten haben wir das gleiche bescheuerte Spielchen wie wir es von den FeministInnen schon kennen: "Bevor wir über die Beseitigung von Diskriminierungen von Männern reden können, muss erst die letzte Diskriminierung von Frauen/Schwulen im hintersten Winkel der Welt beseitigt werden." Oder anders gesagt: Auf Gruppen, in deren Weltbild der weiße, heterosexuelle Mann der Gipfel aller Privilegien darstellt, würde ich keine allzu großen Hoffnungen setzen.

Männerrechtler und Homosexualität

Gismatis @, Basel, Sonntag, 22. Dezember 2013, 14:02 (vor 2010 Tagen) @ Radfahrer

Hallo Radfahrer

Die erste "maskulistische Blogparade", die von Christian (allesevolution) angestoßen und auch von Arne propagiert wurde, hatte als Thema ausgerechnet Homosexualität. Das ist insofern logisch, als Adrian (Gay West) einige wesentliche Ideen zu der Aktion geliefert hatte. Trotzdem befremdet es mich, da aus meiner Sicht Geschlecht und sexuelle Orientierung zwei voneinander unabhängige Dimensionen menschlicher Lebensäußerung sind und Maskulismus (so wie ich ihn verstehe, so wenig konsensfähig das sein mag, blabla) sich auf die Dimension Geschlecht bezieht und nicht auf die sexuelle Orientierung.

Dass als Thema der ersten maskulistischen Blogparade Homosexualtität genommen worden ist, ist in keiner Weise zu bedauern. Natürlich gibt es für die Männerrechtsbewegung wichtigere Themen, aber als Thema einer Blogparade taugen doch gerade Nischenthemen, weil die großen Themen ständig behandelt werden. Zudem braucht es einen aktuellen Aufhänger. Und offenbar herrscht Diskussionsbedarf, wenn man sich die Diskussionen dazu anschaut.

Als Männerrechtler setze ich mich dann für Schwule ein, wenn sie als Männer (also aufgrund des Geschlechts, nicht der sexuellen Orientierung) in ihrer Gleichberechtigung beeinträchtigt sind. Im Bezug auf Homosexualität betrifft dies diejenigen Fälle, wo Schwule gegenüber Lesben benachteiligt sind, etwa bei der Umsetzung des §175 StGB (den es zum Glück seit wenigen Jahren nicht mehr gibt).

Das lässt sich alles nicht so eindeutig voneinander abgrenzen. Grundsätzlich ist eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung immer auch eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Es ist die Kombination aus Geschlecht und sexueller Orientierung, die diskriminiert wird. Traditionellerweise werden natürlich Heterosexuelle zu einer Gruppe zusammengefasst und Homosexuelle zu einer Gruppe zusammengefasst und beide Gruppen miteinander verglichen. Mann kann aber auch in «männerliebend» und «frauenliebend» unterteilen und miteinander vergleichen. Dann sind Schwule gegenüber heterosexuellen Frauen als Männer benachteiligt und Lesben gegenüber heterosexuellen Männern als Frauen. Dass man das normalerweise nicht macht, liegt wohl einfach daran, dass das Geschlecht als grundlegender, gegebener betrachtet wird als die sexuelle Orientierung. Ein reiner Männerlobbyismus müsste sich eigentlich auch für Schwule einsetzen, da manche von ihnen etwas wollen (einen Mann heiraten und mit ihm zusammen Kinder adoptieren), was Frauen vorbehalten ist. (Wobei eigentlich irrelevant ist, was wer will, da es bei Rechten vor allem darum geht, eine Möglichkeit in Anspruch nehmen zu können, unabhängig davon, ob man von einem Recht tatsächlich Gebrauch macht oder nicht.) Dem Gesetzgeber war die sexuelle Orientierung immer egal, weil sich das sowieso nicht objektiv feststellen lässt. Das ist etwas, was nur der Betreffende weiß. Der Gesetzgeber kann nur nach Geschlecht unterscheiden. Deshalb plädiere ich schon lange dafür, solche Benachteiligungen als Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts anzuerkennen, weil es immer das Geschlecht ist, das faktisch der Grund für die Benachteiligung ist.

Was bedeutet das nun für Männerrechtler? Wie sollen sie es handhaben? Sie könnten zum Beispiel die Interessen von Schwulen einfach mitvertreten, weil es ja Männer sind, ohne Lesben dabei mitzuberücksichtigen. Frauenlobbyistinnen (auch Feministinnen genannt) haben das schon immer so gemacht, wenn sie die Lösung von Problemen, von denen beide Geschlechter betroffen sind, allein für Frauen fordern. Da die Männerbewegung es ja besser machen will, kommt dieser Ansatz für sie kaum infrage. Der bessere Ansatz wäre meines Erachtens, eine 5 mal gerade sein zu lassen, wenn es um Schwule geht, das heißt, sich nicht streng an dein Schema zu halten. Die dritte Option wäre natürlich noch, das Thema komplett auszusparen. Immerhin gibt es schon eine starke Lobby, die sich um Schwule kümmert. Aber um das Herauszufinden, muss eben darüber diskutiert werden.

Den ganzen anderen Dings von Männerbenachteiligungen erleiden Schwule genau wie nichtschwule Männer auch, von der Bildungsbenachteiligung über Wehr-"Gerechtigkeit" und Frauenquoten bis zur Väterausgrenzung und "Unisex"-Rente. Ich glaube, Schwule sind wegen ihres Geschlechts mehr benachteiligt als wegen ihrer sexuellen Orientierung, bin mir aber nicht sicher, ob ich das beurteilen kann.

Das ist ganz sicher so, erst recht, wenn man meine Definition zugrundelegt.

Der Grund, warum es trotzdem so wenig schwule Männerrechtler gibt, liegt auf der Hand: Als Homosexuelle gehören sie einer Gruppe von Menschen an, die als Opfergruppe bereits einiges an Aufmerksamkeit bekommt. Als anerkannte Opfergruppe bekommt man nun Konkurrenz von einer ungleich größeren Minderheit: Männer (unabhängig von der sexuellen Orientierung).

Von einer befürchteten Konkurrenz kann noch keine Rede sein. Die meisten Schwulen wissen noch nicht einmal, dass es eine Gleichberechtigungsbewegung für Männer gibt. Der Hauptgrund (nicht der einzige) ist vielleicht ganz trivial der, dass es so wenige gibt, weil es auch so wenige heterosexuelle Männerrechtler gibt. Man muss immerhin bedenken, dass wenn die Quote bei beiden Gruppen gleich ist, auf hundert Männerrechtler höchstens etwa fünf Schwule kommen. Schwule haben halt die gleiche Schwierigkeit wie Heteromänner, sich als Angehörige der gesellschaftlichen Gruppe der Männer wahrzunehmen und darüber nachzudenken, was die Grundvoraussetzung für ein entsprechendes Engagement ist. Bei Schwulen kommt noch hinzu, dass sie aus persönlichem Interesse Männer in schwul und hetero einteilen, weil Letztere als mögliche Partner von vornherein ausscheiden.

Die Aufmerksamkeit, die ich als Homosexueller bekommen würde (wäre ich denn einer), ist größer, da un-geteilter, als ich die, die als Mann bekomme.

Je exotischer, desto mehr Aufmerksamkeit. Da haben Schwule einen Vorteil.

Befremdlich ist, dass die Schwulen sich (meinem Empfinden nach, vielleicht irre ich auch) viel stärker gegen (heterosexuelle oder allgemein) Männer abgrenzen als gegen Frauen oder Lesben.

Abgrenzung kommt meinem Empfinden nach eher umgekehrt vor, dass sich heterosexuelle Männer gegen Schwule abgrenzen. Das ist eine Erfahrung, die wohl jeder Schwule macht. Umgekehrt ist es einfach so, dass Schwule Männer in homo- und heterosexuell unterteilen, weil Letztere für sie außer Reichweite sind. Sie kommen als mögliche Sexualpartner nicht in Betracht. Das würde ich aber noch nicht als Abgrenzung bezeichnen.

Gruß
Gismatis

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