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Das Thüringer Betreuungsgeld

AndreasKs. @, Montag, 25. Juni 2012, 18:17 (vor 2332 Tagen)
bearbeitet von AndreasKs., Dienstag, 21. Januar 2014, 10:15

Das Betreuungsgeld gibt es in Thüringen schon seit 2006. Der damals zuständige Minister und heutige Präsident des Deutschen Familienverbands, Klaus Zeh, berichtet im Welt-Interview, dass dort seinerzeit keine der negativen Folgen eingetreten sind, die von den Kritikern immer vorgebracht werden:


Welt Online: Herr Zeh, das Thüringer Modell gilt als Blaupause für das Betreuungsgeld der Bundesregierung.

Klaus Zeh: Allerdings heißt es bei uns Landeserziehungsgeld. Und auch sonst hat der Bund nicht alles von uns übernommen.

Welt Online: Was vermissen Sie?

Zeh: Das Betreuungsgeld wird in Thüringen anteilig auch gezahlt, wenn das betreuende Elternteil in Teilzeit arbeitet. Hätte der Bund dies übernommen, wäre mancher Einwand gegen das Betreuungsgeld gegenstandslos. Wir haben außerdem eine von der Kinderzahl abhängige Finanzierung: Beim ersten Kind gibt es 150, beim zweiten 200, beim dritten 250, ab dem vierten 300 Euro. Damit wollten wir ein Zeichen setzen, dass Mehrkindfamilien gut und wichtig sind.

Welt Online: Kritiker behaupten, die Betreuungsquote bei Kindern der betroffenen Altersgruppe sei in Thüringen zurückgegangen.

Zeh: Das Gegenteil ist der Fall. Die Betreuungsquote von Kindern im Alter von zwei bis drei stieg in Thüringen nach kurzem Rückgang an und liegt mit 84 Prozent um knapp fünf Prozentpunkte höher als zur Einführung des Erziehungsgeldes. Auch bei den einjährigen Kindern hat sich die Betreuungsquote seit der Einführung des Erziehungsgeldes nahezu verdoppelt. Sie liegt in 2011 bei 54 Prozent.

Welt Online: Was ist mit bildungsfernen Eltern, lassen die ihre Kinder zu Hause?

Zeh: Dafür gibt es keinerlei belastbare statistische Belege. Die Thüringer Zahlen zeigen anderes: In der Stadt Gera, in der ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Hartz-IV-Beziehern lebt, werden besonders viele Kinder in Einrichtungen betreut, nämlich 89,3 Prozent der Zweijährigen. Im katholisch geprägten Eichsfeld hingegen werden lediglich 75,2 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis drei in Kindertagesstätten betreut, obwohl der Anteil der Hartz-IV-Empfänger weniger als die Hälfte des Geraer Wertes beträgt.

Die Schlussfolgerung liegt nah: Kulturelle Prägungen sind für das gewählte Familien- und Betreuungsmodell weit ausschlaggebender als soziale Bedürftigkeit. Grundsätzlich ärgert mich die Stigmatisierung einkommensschwacher Familien in der Betreuungsgeld-Debatte aber ungeheuer. Mutterliebe hängt doch nicht vom Geldbeutel ab! Wenn wir hier pauschal in "gute" und "schlechte" Familien unterscheiden, fördern wir erst die soziale Spaltung.

Interessant ist auch der finanzielle Aspekt. Der Ausbau der Kinderstagebetreuung ist weitaus kostspieliger als ein Betreuungsgeld:


Zeh: Jeder Finanzminister müsste im Zweifelsfall für das Betreuungsgeld sein: Für einen Krippenplatz wendet die öffentliche Hand bis zu 1000 Euro auf, für das Betreuungsgeld 150 Euro. Beide Investitionen zu garantieren ist wichtig, um echte Wahlfreiheit zu gewährleisten.

Tags:
Betreuungsgeld Thüringen Familienverban Zeh


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