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Meine Überlegungen zu einem Bechdel-Test für Männer und mein Vorschlag

Carlos, Sonntag, 14. Juni 2015, 13:58 (vor 1525 Tagen) @ Carlos

Welche Kriterien sollte der Test erfüllen? Ausgehend von der Kritik an den heutigen Mainstream-Filmen, die, wie ich eben ausführte, meiner Meinung nach den Mann respektlos und ohne Achtung behandeln, müsste der Test logischerweise Formulierung(en) beinhalten, die darauf eingehen.

Diese Aussagen müssten nach meiner Überzeugung dem Sinn nach negativ sein. Also nicht, was getan werden soll, sondern was unterlassen werden soll. Meine Begründung ist: 1.möchte ich keinem vorschreiben, wie er die Männer darstellen soll (höchstens wie nicht und nur aus berechtigtem Grund); 2. mit positiven Forderungen schleichen sich sehr schnell Ideologien ein, die nicht nur falsch, sondern auch unterschiedlich sein können und deswegen miteinander in Konkurrenz treten können (soll es eher der moderne oder der konservative Mann sein?). Also nicht „männerfreundlich“ anstreben (wie der Bechdel-Test „frauenfreundlich“ anstrebt), sondern „männerfeindlich“ vermeiden.

Dass man niemanden missachten und respektlos behandeln soll, sieht jeder ein. Also ist es eine berechtigte Forderung, dass auch Männer nicht so behandelt werden sollen.

Ein weiteres Kriterium sollte meiner Meinung nach sein, an den Test nicht dieselben überempfindlichen Maßstäbe der politischen Korrektheit (PC) anlegen wie es bei Frauen getan wird (und wie es der MacGyver-Test tut). Ich halte diese übertriebenen Normen für falsch und meine, es ist ein Trugschluss zu denken, dass der Verbot jeglicher ungünstiger und unerwünschter Darstellung des Mannes (durch die Übernahme der Maßstäbe der PC), zu dem gewünschtem Ergebnis führen würde. Dadurch würde auch eine Darstellung der realen unvorteilhaften Seiten des typischen Mannes (die es eigentlich bei jeder Gruppe gibt) unterdrückt werden, welche aber trotzdem existent bleiben.

Bei den Begriffen der PC ist es sehr gut zu beobachten: auch bei neuen politisch korrekten Begriffen schleichen sich nach einer gewissen Zeit die alten, realen Inhalte wieder ein, wodurch die nun „abgenutzten“ und „kontaminierten“ Begriffe von Neuem ersetzt werden müssen und diese ausgemusterten erheblich Sanktioniert.

Gegen eine negative aber realistische Darstellung des Mannes in einigen Filmen (nicht in allen) habe ich nichts. Es muss nur 1. der Wunsch und die Absicht den Mann verachtenswert und lächerlich darzustellen, eben weil er ein Mann ist, angegangen werden. Und 2. das gegenwärtige Konzept der starken Frau muss revidiert werden bzw. der stets für den Mann ungünstige Vergleich, vor allem auf moralischer Ebene und auf der Ebene der Selbstachtung bei gleichzeitiger Präsenz von Mann und Frau in einem Film. Wobei bei starken Frauen Selbstachtung und Arroganz immerzu verwechselt werden.

Aber wie formuliert man das alles nun konkret? Die Aussage missachte die Männer nicht und behandle sie nicht respektlos, ist zu abstrakt. Wenn man aber nun jeden möglichen Fall, der eine Respektlosigkeit darstellt, beschreiben wollte, käme man nie zu einem Ende. Es wäre also sinnvoll, sich auf die Fälle zu beschränken, die am häufigsten vorkommen (wie es vom Prinzip her auch der MacGyver-Test tut) - also die typischen Missachtungen.

Daraus ergibt sich aber eine weitere Schwierigkeit. Das, was für die Männerrechtler die typischen Missachtungen sind, ist für die andere Seite eine wahrheitsgetreue Darstellung eines typischen Mannes. Die würden sagen: „Aber wenn Männer nun mal so sind!“ Sie vollziehen hier etwas, was Slavoj Zizek in seiner kleinen Schrift „Ein Plädoyer für die Intoleranz“ als die Hegemonisierung eines partikularen Inhalts, beschrieben hat. Sie nehmen einen „partikularen“ Mann (den es zwar geben kann, aber eher selten) mit all den bekannten negativen Eigenschaften und stellen ihn (und nicht z.B. einen „entsorgten Vater“, der wahrscheinlich genauso häufig vorkommt) als den typischen Mann dar. Durch diesen Griff befinden sich die Männerrechtler und die feministisch geprägten Menschen auf verschiedenen Ebenen. Die Männerrechtler auf der moralischen, weil sie die Darstellung des „typischen“ Mannes als eine Beleidigung empfinden. Und ihre Gegner auf der Ebene der Tatsachen, die den Männerrechtlern entgegnen, diese wollten ihnen eine Darstellung der Wahrheit und damit Kritik am Patriarchat verbieten.

Das ist für mich die Hauptschwierigkeit, warum so ein Bechdel-Test für Männer bei der breiten Masse nicht unbedingt angenommen werden muss. Eine Chance sehe ich aber doch. Weil ich glaube, dass mehr Menschen als man denkt latent und zum Teil sich dieser Männerfeindlichkeit bewusst sind, und so ein Test könnte sie in diesem Bewusstsein stärken.

Es bleiben also die Fragen, welche sind diese typischen erniedrigenden Darstellungen, die unterlassen werden sollen, und wie soll das genau formuliert werden? Ich mache hier einen Versuch:

- zeigt eine starke Frau den Männern gegenüber süffisantes Verhalten, unbewegliche Gesichtszüge, keine Emotionen, Gleichgültigkeit?
- kommt eine Scene vor, wo eine starke Frau einen Mann „bestraft“- wegen Sexismus?
- ist der als typisch dargestellte Mann ein Lügner, Egoist, Gewalttäter, Chauvinist, Trottel?

Das sind also Kriterien, die ein Film nicht haben sollte. Und falls doch, würde ich nicht immer gleich den ganzen Film verwerfen, sondern hauptsächlich diese Szenen.

Besser kriege ich es vorläufig nicht hin und bin für Verbesserungen offen.


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