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Phoenix: Klaus Hurrelmann - Teil 1

gewege, Sonntag, 10. Mai 2015, 13:26 (vor 1563 Tagen) @ gewege

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/diskussionen/michael_krons_mit_prof_klaus_hurrelmann/961098?datum=2015-05-09

https://www.youtube.com/watch?v=8r1Dz_Lyje8

Michael Krons: (5:26) … Sie sind ja auch in den Lebensentwürfen ja nicht mehr so geprägt wie Generationen vorher, im Sinne von: da gab es mal den Verdiener in der Familie, den Mann, es gibt die Frau, die vielleicht mal eine Nebentätigkeit hat, aber das war ja schon etwas Besonderes – all das hat sich ja verändert. Das heißt aber doch, das führt insgesamt von den äußeren Bedingungen, aber auch von den Rollen, in die sie ja hineinkommen wollen, zu einer großen Verunsicherung. Sind da Frauen und Männer gleich betroffen, Jungs und Mädels gleich betroffen?

Klaus Hurrelmann: Sie haben völlig recht, es kommt alles ins Rutschen, was noch für die Elterngeneration dieser jungen Leute Standard war, standardisierter Lebenslauf war, kann man fast sagen. Erst schulische, dann berufliche Ausbildung, dann in den Beruf, dann eine Familie gründen, also ein getakteter Lebenslauf. Das ist heute nicht mehr der Fall. Heute kann es sein, dass ich nicht mehr in den Beruf komme, es kann sein, dass ich keine Familie gründe, dass ich alles anders disponieren muss. Und da können wir erkennen, ja, die Geschlechtsunterschiede sind deutlich, da können wir aus allen Untersuchungen erkennen, dass die jungen Frauen eher besser mit dieser veränderten, flexiblen, ständig selbst organisierbaren und aber auch selbst zu organisierenden Lebenssituation umgehen. Sie sind das gewohnt, sie erblicken eine Chance darin. Sie wollen jetzt das alte Frauenbild Kinder, Küche, Kirche, Kommune, könnte man sagen, anreichern um das K der Karriere, und das tun sie auch. Also in den Shell-Jugendstudien, wo ich beteiligt bin seit 2002, sehen wir das, die jungen Frauen wollen alles. Sie wollen sich flexibel auf diese Situation einstellen. Da hinken die jungen Männer noch hinterher. Sie sind auch im Bildungsbereich nicht so gut, das hängt sicherlich miteinander zusammen, weil sie nicht so aktiv sind. Also in diesem Krisenmodus, wie es uns Älteren erscheint, für die Jüngeren ist das ja keine Krise, sondern das ist das Leben, das ist die offene Gesellschaft, in die sie, wie die Weinrebe, nun mal reingesetzt wurden, in diesem Krisenmodus kommen die Frauen im Moment besser zurecht als die Männer.

MK: Sie schreiben ja, dass das sogar ein richtig großes Problem ist, und auch in der Gesellschaft sich schon abbildet als Problem, die Frauen sind auf der Überholspur, es ist ja nun schon lange, lange gesagt worden, sie sollen endlich mal ihre eigenen Karriere machen können, sie sollen mal ihre neue Rolle in der Gesellschaft finden können. Das haben sie offenbar geschafft, aber die Jungen werden im Grunde abgehängt, die Männer werden abgehängt. Warum eigentlich?

KH: (8:05) Ja, weil die Frauen unheimlich klug in das investiert haben, was man in dieser Unsicherheitsphase zwischen 2000 und 2015 machen konnte, sie haben nämlich gute Bildungsabschlüsse eingefahren. Das geht heute bis in das Studium hinein. Medizinstudium, fast 70 % Frauen, das muss man sich mal vorstellen. Es wird ein Frauenberuf werden in Kürze. Die gehen auch zunehmend in die Naturwissenschaften. Es ist alles eine Frage der Zeit, bis sie auch Karriere machen werden. Da gibt es noch unübersehbare Hindernisse, auch Hemmnisse, die jungen Frauen trauen sich da noch nicht so viel. Aber insgesamt sind sie so aufgestellt, dass sie jetzt ihren Weg gehen wollen, dass sie das traditionelle Frauenbild nicht ganz verlassen wollen, sie wollen weiterhin Kinder haben, sie wollen eine Familie gründen, aber eben auf hohem Niveau. Und da haben Sie recht, die Modernität, ihre Flexibilität, ihre Cleverness auch, dieses Nichtabbringenlassen, das ist ja harte Arbeit, das sieht man den jungen Frauen ja auch an. Der steht eine etwas nonchalante, zurückhaltende Art der jungen Männer gegenüber, so dass ich immer sage, den modernen jungen Frauen gehen die modernen jungen Männer aus, und es kommt hier zu Passungsproblemen, oder auch zu Paarungsproblemen, wenn wir so wollen.

MK: (9:22) Aber Sie sagen, dass ist nicht nur ein Reflektieren auf die gesellschaftliche Situation, sondern auch ein Reflex auf die Sensibilität dem eigenen Körper gegenüber. Das finde ich sehr spannend, Sie sind ja an der Heartie School of Governance, in Berlin, und sind auch in der Gesundheitsprävention tätig. Was heißt denn das, was passiert denn da im Reflex auf den eigenen Körper, warum ist das so wichtig?

KH: Wir haben diese Erfahrung schon lange, dass Frauen mit ihrem Körper bewusster umgehen als Männer. Man muss vermuten, dass das teilweise jedenfalls angelegt ist, es könnte mit der ersten Blutung zu tun haben, die eine Frau hat, die ja ein Mann bei der Geschlechtsreife in solch einer massiven Weise nicht erfährt, den Körper, und dadurch eine hohe Sensibilität bei Frauen dem Körper gegenüber. Ich muss ständig als junge Frau schauen, was tut mein Körper, was sagt er mir, ich kann nicht gegen meinen Körper agieren. Das glauben wir Männer oft, wir sind ja das starke Geschlecht, wir dürfen ja keine Schwäche zeigen, da kommen dann soziale Rollenvorstellungen mit ins Spiel, und so kommt es dazu, dass Frauen unheimlich weinerlich, hoch sensibel, übersensibel ihrem Körper gegenüber sein können, am Ende damit aber gut fahren. Sie haben möglicherweise, nach ihrem eigenen Empfinden eindeutig, mehr Krankheiten, mehr gesundheitliche Belastungen, aber sie leben länger, und zwischendurch sind sie auch durchaus leistungsfähiger als Männer. Also das sind ganz spannende Fragen der Gesundheitsforschung, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben. Mit der Veränderung der beruflichen Anforderungen, der gesellschaftlichen Anforderungen, immer mehr in Richtung Kommunikation, ja, das können wir jetzt verlängern, was wir eben gesagt haben, immer mehr Aufmerksamkeit durch digitale Medien, ständiges auf dem Kibik(?)-Sein, alles genau beobachten, ständig monitoren, sondieren, was los ist, wie’s da weiter geht, da sind Frauen sehr stark. Männer fallen nicht völlig ab, das wäre falsch, sie sind die größeren Experten im Umgang mit der Technik, auch mit der digitalen Technik, aber sie sind nicht ganz so kreativ dabei, das für sich selbst zu nutzen und zu ihrem eigenen Vorteil, auch zu ihrem eigenen körperlichen und psychischem Vorteil einzusetzen. Hier muss man nochmal sagen, ein Loblied auf die jungen Frauen heute, die da unheimlich gut mit dem veränderten „Weinberg“ zurechtkommen.

MK: (11:56) Aber das heiß ja im Grunde, dass diese Flexibilität, um die es Ihnen geht, diese Flexibilität, die Frauen erfahren müssen, weil sie nämlich verschiedene Rollen einnehmen müssen, eigentlich schon darin angelegt ist, wie sie auch schon in der Jugend damit umgehen. Sie gehen ja, wie Sie beschreiben in den Studien, auch vor den Computer, arbeiten mit technischem Gerät, aber sie mixen das noch mit vielen anderen Tätigkeiten, während die Jungen in ihrem jungen Alter eher sich wirklich konzentrieren auf die passive Unterhaltung, das Fernsehen schauen, mit dem Computer Spiele machen, etc., das setzt sich eigentlich dann im Erwachsenenalter fort, denn Frauen müssen ja, wenn sie verschiedene Rollen haben, sehr viel flexibler sein, sie müssen die Mutter sein, sie müssen die Ehepartnerin sein, und sie wollen dann noch im Zweifel Karriere machen. Das macht sie ja fitter offenbar, und lässt sie nicht zurückfallen.


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