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Hennen, Eier, Äpfel, Birnen

Radfahrer @, Freitag, 31. Januar 2014, 13:57 (vor 2000 Tagen) @ Michael K.

Hallo Michael,

Ich selbst glaube nicht an die Geschichten, die unsere Vorfahren als in Rudeln im Wald umherstreifende gruppenfixierte Kreaturen schildern.

Klar, Du glaubst an die Geschichten von der Krone der Schöpfung. Das eine ist so unbewiesen wie das andere, wobei die Evolutionsgeschichten für mich persönlich eher den Charme des Plausiblen haben als die Theorie vom Geistwesen Mensch (die, wenn ich mich erinnere, von einer philosophischen Schule des 19. Jh. etabliert wurde, aber ich mag mich irren, bitte hilf mir mal).

Zum Thema Evolution: Der Mensch als Krone der Schöpfung ist ja insbesondere dazu in der Lage, sich von allen evolutionären Zwängen freizumachen.

Ich hatte vor 10 Minuten Hunger.

Den meisten Menschen ist die 'Erhaltung ihrer Art' egal, sondern es geht um Selbstverwirklichung. Ironischerweise hat sich trotzdem die Menschheit recht gut gehalten. Nun kann man natürlich wieder argumentieren, dass die Freude an Kindern möglicherweise genetisch festgelegt ist. Usw. - eine schwierige Diskussion, erinnert an die Erörterung der Frage, ob die Henne oder das Ei zuerst da war.

Nunja, die mir plausibelste Erklärung kommt wieder aus der Evolutionsecke. Zunächst einmal geht es dem Menschen primär um Bedürfnisbefriedigung. Ob Selbstverwirklichung ein solches Bedürfnis ist, hängt ab von der Definition des Begriffs "Selbstverwirklichung". Was ich darunter verstehe, ist die Entwicklung einer individuellen Kulturleistung (die Anschaffung eines Porsche eingeschlossen). Ich behaupte, so lange ich hungrig, durstig, unausgeschlafen und sexuell unbefriedigt bin und vielleicht noch Zahnschmerzen habe, geht es mir nicht um Selbstverwirklichung.

Ich stimme Dir insofern zu, dass es zumindest umstritten ist, dass das Kinderhaben an sich eine menschliche Bedürfnisbefriedigung darstellt. Ich glaube ja, aber das ist zugegebenermaßen spekulativ. Die Freude am Sex halte ich für zweifellos genetisch festgelegt. Die Menschheit erhält sich daher m.E. aus folgenden Gründen:
1. Männer und Frauen haben das Bedürfnis nach und die Freude am Sex.
2. Verhütung ist unzuverlässig und nicht allen Menschen (insbesondere nicht den Männern) zugänglich.
3. Manche Menschen (in unserem Kulturkreis hauptsächlich erwerbsmindermotivierte Frauen) haben gesellschaftlich bedingt durch Kinder wirtschaftliche Vorteile. Bis vor nicht allzu langer Zeit waren Kinder zusätzlich für ihre Eltern eine Art Altersversorgung; die heutige Situation in Deutschland, dass die erwachsenen Kinder die Renten der kinderlosen Alten bezahlen und gleichzeitig ihren eigenen Eltern gegenüber unterhaltspflichtig werden können, macht zeitlich nur einen Bruchteil der Menschheitsgeschichte aus und ist regional begrenzt. Heute und hier erfüllen Kinder immerhin noch den Zweck, um einen Unterhaltsanspruch der Mutter an den Vater zu begründen (der Unterhalt heißt Kindesunterhalt, muss aber zwingend an die Mutter gezahlt werden, und niemand darf prüfen, was die Mutter damit macht).

Ich denke nicht, dass es eine spezielle genetische Disposition 'des Mannes' in Richtung Duldsamkeit gibt. Ich habe schon oft gelesen, dass Frauen duldsamer gegenüber miserablen Arbeitsverhältnissen seien als Männer.

Wo hast Du das schon oft gelesen? In unseren "Frauen sind die besseren …" - Medien?
Es geht auch nicht um Duldsamkeit.

Diese Evolutionsdiktatur ist menschenverachtend, das stellst Du sehr gut dar.
In der Regel ist Sozialismus gar nicht weit von diesem Denken entfernt. Daher führt real existierender Sozialismus auch direkt in die Diktatur und in den Arbeitszwang.

Da vergleichst Du aber Äpfel mit Birnen. Die Evolutionsdiktatur ist keine, denn wer diktiert diese?
Sozialismus ist auch keine Diktatur, widerspricht aber scheinbar so sehr der Natur des Menschen (den "Genen", wenn Du so sagen magst), dass es einer Diktatur bedarf, um den Sozialismus langfristig aufrecht zu erhalten.

Ich denke in der Tat, dass der Mensch NICHT genetisch zu einer solchen Lebensweise prädestiniert ist, sondern ganz im Gegenteil wie keine andere 'Art' dazu befähigt ist, sich von evolutionsdominiertem Denken freizumachen, ja, sich vom Diktat des Darwinismus zu emanzipieren.

Noch kein pubertierendes Mädchen bei ihren ersten Partnerwahlen beobachtet? Mach das mal, sehr heilsam.

Vielmehr ist das Problem der geschlechtsspezifischen Benachteiligungen meiner Meinung nach ein nahezu rein politisches und gesellschaftliches Thema.

Zustimmung, aber wenn ich adler richtig verstanden habe, dann ging es ihm darum gar nicht. Die Frage war doch, wie überwinden Männer ihr Schweigen? Und dieser Überwindung scheinen veranlagungsbedingte Hürden gesetzt. Die Überwindung des Schweigens ist aber eine Voraussetzung, um die rein politischen und gesellschaftlichen Themen überhaupt anzugehen.

Grüßle, Radfahrer


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