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Männerrechtler und Homosexualität

Gismatis @, Basel, Sonntag, 22. Dezember 2013, 14:02 (vor 2035 Tagen) @ Radfahrer

Hallo Radfahrer

Die erste "maskulistische Blogparade", die von Christian (allesevolution) angestoßen und auch von Arne propagiert wurde, hatte als Thema ausgerechnet Homosexualität. Das ist insofern logisch, als Adrian (Gay West) einige wesentliche Ideen zu der Aktion geliefert hatte. Trotzdem befremdet es mich, da aus meiner Sicht Geschlecht und sexuelle Orientierung zwei voneinander unabhängige Dimensionen menschlicher Lebensäußerung sind und Maskulismus (so wie ich ihn verstehe, so wenig konsensfähig das sein mag, blabla) sich auf die Dimension Geschlecht bezieht und nicht auf die sexuelle Orientierung.

Dass als Thema der ersten maskulistischen Blogparade Homosexualtität genommen worden ist, ist in keiner Weise zu bedauern. Natürlich gibt es für die Männerrechtsbewegung wichtigere Themen, aber als Thema einer Blogparade taugen doch gerade Nischenthemen, weil die großen Themen ständig behandelt werden. Zudem braucht es einen aktuellen Aufhänger. Und offenbar herrscht Diskussionsbedarf, wenn man sich die Diskussionen dazu anschaut.

Als Männerrechtler setze ich mich dann für Schwule ein, wenn sie als Männer (also aufgrund des Geschlechts, nicht der sexuellen Orientierung) in ihrer Gleichberechtigung beeinträchtigt sind. Im Bezug auf Homosexualität betrifft dies diejenigen Fälle, wo Schwule gegenüber Lesben benachteiligt sind, etwa bei der Umsetzung des §175 StGB (den es zum Glück seit wenigen Jahren nicht mehr gibt).

Das lässt sich alles nicht so eindeutig voneinander abgrenzen. Grundsätzlich ist eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung immer auch eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Es ist die Kombination aus Geschlecht und sexueller Orientierung, die diskriminiert wird. Traditionellerweise werden natürlich Heterosexuelle zu einer Gruppe zusammengefasst und Homosexuelle zu einer Gruppe zusammengefasst und beide Gruppen miteinander verglichen. Mann kann aber auch in «männerliebend» und «frauenliebend» unterteilen und miteinander vergleichen. Dann sind Schwule gegenüber heterosexuellen Frauen als Männer benachteiligt und Lesben gegenüber heterosexuellen Männern als Frauen. Dass man das normalerweise nicht macht, liegt wohl einfach daran, dass das Geschlecht als grundlegender, gegebener betrachtet wird als die sexuelle Orientierung. Ein reiner Männerlobbyismus müsste sich eigentlich auch für Schwule einsetzen, da manche von ihnen etwas wollen (einen Mann heiraten und mit ihm zusammen Kinder adoptieren), was Frauen vorbehalten ist. (Wobei eigentlich irrelevant ist, was wer will, da es bei Rechten vor allem darum geht, eine Möglichkeit in Anspruch nehmen zu können, unabhängig davon, ob man von einem Recht tatsächlich Gebrauch macht oder nicht.) Dem Gesetzgeber war die sexuelle Orientierung immer egal, weil sich das sowieso nicht objektiv feststellen lässt. Das ist etwas, was nur der Betreffende weiß. Der Gesetzgeber kann nur nach Geschlecht unterscheiden. Deshalb plädiere ich schon lange dafür, solche Benachteiligungen als Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts anzuerkennen, weil es immer das Geschlecht ist, das faktisch der Grund für die Benachteiligung ist.

Was bedeutet das nun für Männerrechtler? Wie sollen sie es handhaben? Sie könnten zum Beispiel die Interessen von Schwulen einfach mitvertreten, weil es ja Männer sind, ohne Lesben dabei mitzuberücksichtigen. Frauenlobbyistinnen (auch Feministinnen genannt) haben das schon immer so gemacht, wenn sie die Lösung von Problemen, von denen beide Geschlechter betroffen sind, allein für Frauen fordern. Da die Männerbewegung es ja besser machen will, kommt dieser Ansatz für sie kaum infrage. Der bessere Ansatz wäre meines Erachtens, eine 5 mal gerade sein zu lassen, wenn es um Schwule geht, das heißt, sich nicht streng an dein Schema zu halten. Die dritte Option wäre natürlich noch, das Thema komplett auszusparen. Immerhin gibt es schon eine starke Lobby, die sich um Schwule kümmert. Aber um das Herauszufinden, muss eben darüber diskutiert werden.

Den ganzen anderen Dings von Männerbenachteiligungen erleiden Schwule genau wie nichtschwule Männer auch, von der Bildungsbenachteiligung über Wehr-"Gerechtigkeit" und Frauenquoten bis zur Väterausgrenzung und "Unisex"-Rente. Ich glaube, Schwule sind wegen ihres Geschlechts mehr benachteiligt als wegen ihrer sexuellen Orientierung, bin mir aber nicht sicher, ob ich das beurteilen kann.

Das ist ganz sicher so, erst recht, wenn man meine Definition zugrundelegt.

Der Grund, warum es trotzdem so wenig schwule Männerrechtler gibt, liegt auf der Hand: Als Homosexuelle gehören sie einer Gruppe von Menschen an, die als Opfergruppe bereits einiges an Aufmerksamkeit bekommt. Als anerkannte Opfergruppe bekommt man nun Konkurrenz von einer ungleich größeren Minderheit: Männer (unabhängig von der sexuellen Orientierung).

Von einer befürchteten Konkurrenz kann noch keine Rede sein. Die meisten Schwulen wissen noch nicht einmal, dass es eine Gleichberechtigungsbewegung für Männer gibt. Der Hauptgrund (nicht der einzige) ist vielleicht ganz trivial der, dass es so wenige gibt, weil es auch so wenige heterosexuelle Männerrechtler gibt. Man muss immerhin bedenken, dass wenn die Quote bei beiden Gruppen gleich ist, auf hundert Männerrechtler höchstens etwa fünf Schwule kommen. Schwule haben halt die gleiche Schwierigkeit wie Heteromänner, sich als Angehörige der gesellschaftlichen Gruppe der Männer wahrzunehmen und darüber nachzudenken, was die Grundvoraussetzung für ein entsprechendes Engagement ist. Bei Schwulen kommt noch hinzu, dass sie aus persönlichem Interesse Männer in schwul und hetero einteilen, weil Letztere als mögliche Partner von vornherein ausscheiden.

Die Aufmerksamkeit, die ich als Homosexueller bekommen würde (wäre ich denn einer), ist größer, da un-geteilter, als ich die, die als Mann bekomme.

Je exotischer, desto mehr Aufmerksamkeit. Da haben Schwule einen Vorteil.

Befremdlich ist, dass die Schwulen sich (meinem Empfinden nach, vielleicht irre ich auch) viel stärker gegen (heterosexuelle oder allgemein) Männer abgrenzen als gegen Frauen oder Lesben.

Abgrenzung kommt meinem Empfinden nach eher umgekehrt vor, dass sich heterosexuelle Männer gegen Schwule abgrenzen. Das ist eine Erfahrung, die wohl jeder Schwule macht. Umgekehrt ist es einfach so, dass Schwule Männer in homo- und heterosexuell unterteilen, weil Letztere für sie außer Reichweite sind. Sie kommen als mögliche Sexualpartner nicht in Betracht. Das würde ich aber noch nicht als Abgrenzung bezeichnen.

Gruß
Gismatis


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